DHEA – das Jungbrunnenhormon

DHEA (Dehydroepiandrosteron) ist ein Steroidhormon und wird vorwiegend in der Nebennierenrinde gebildet. Von allen Steroidhormonen des Menschen zeigt DHEA die höchste Konzentration, aber auch den stärksten Abfall im Laufe des Alterns. Es kann im Alter bis auf zehn bis 20 % der Konzentration eines jungen Menschen abfallen und wird daher mit einer Vielzahl der Alterungsprozesse kausal in Zusammenhang gebracht.

DHEA ist pleiotrop, das heißt, es wirkt einerseits selbst direkt an den Zellen, wird aber im Körper auch in weitere aktive Hormone umgewandelt. DHEA ist Hauptvorläufer der Sexualsteroide (Geschlechtshormone) des Menschen. In der Nebenniere, im Fettgewebe, in Hoden und Eierstöcken werden aus DHEA männliche und weibliche Geschlechtshormone gebildet, etwa die Androgene Androstendion und Testosteron sowie verschiedene Östrogene.

DHEA fand erstmals im Jahr 1931 durch den Wissenschaftler Adolf Butenandt Erwähnung – er isolierte das Hormon in seiner ungebundenen Form aus dem menschlichen Urin. 1939 erhielt Butenandt für seine Arbeiten über Sexualhormone den Nobelpreis für Chemie. Bereits 25 Jahre später vermutete man, dass DHEA eine wichtige Größe im Entwicklungs- und Alterungsprozess des menschlichen Körpers sein könnte. Denn der DHEA-Spiegel im Blut steigt vor der Pubertät an, erreicht seinen Höhepunkt zwischen 20 und 30 Jahren und nimmt danach kontinuierlich ab.
Dass DHEA an der Bildung von Östrogenen und Androgenen beteiligt ist, weiß man seit den 1960er-Jahren. In den 70er- und 80er-Jahren zeigte sich dann zunächst bei Tieren, dass zusätzliches DHEA lebensverlängernd wirkt und vor Krebserkrankungen, Infektionen und Arteriosklerose schützt. Viele dieser positiven Eigenschaften konnte man inzwischen auch beim Menschen nachweisen.

Gut zu wissen

Das Nebennieren-Steroid Cortisol (auch bekannt als »Stresshormon«), verhält sich gegenläufig zu DHEA: Es steigt mit zunehmendem Alter an.

Die positiven Eigenschaften von DHEA

Studien zeigen, dass DHEA stress- und altersbedingten Vitalitätsstörungen und Ermüdungserscheinungen des Körpers entgegenwirkt. Es hat einen positiven Einfluss auf immunologische Abläufe und klimakterische Beschwerden, auf die Gesundheit von Herz und Blutgefäßen sowie einen aufbauenden Effekt auf nahezu alle Zelltypen. Außerdem kann es das Risiko für Diabetes, Osteoporose und Krebserkrankungen senken. DHEA scheint also zur Lebenskraft und Gesundheit entscheidend beizutragen.

Vor der Menopause werden 50 bis 75 % der Östrogene und nahezu alle männlichen Hormone aus DHEA hergestellt, nach der Menopause auch die Östrogene zu nahezu 100 %. Weit über 5.000 Arbeiten haben sich seit Mitte der 1980er-Jahre mit DHEA beschäftigt. Insbesondere die aktuellen medizinischen Studien sind überaus interessant! Man bezeichnet DHEA heute sogar vielversprechend als »Pille der Jugend« oder »Jungbrunnenhormon«.

So wirkt DHEA im Körper

DHEA hat eine Vielzahl von positiven Wirkungen auf den weiblichen und männlichen Körper. Im Folgenden haben wir Ihnen diese zusammengestellt:

Frailty Syndrom/»Gebrechlichkeitssyndrom«

Das Risiko für eine Frau über 50 Jahre, sich aufgrund eines Sturzes einen Knochenbruch zuzuziehen, beträgt 51 %, bei Männern 20 %. Die Hauptursache für die erhöhte Fall- und Frakturneigung liegt in der zunehmenden Muskelschwäche und Abnahme der Knochendichte. Die Muskelschwäche führt zu einer zunehmenden Gangunsicherheit mit erhöhter Fallneigung. DHEA hat positive Effekte sowohl auf die Muskelmasse als auch Muskelaktivität und damit einen positiven Einfluss auf die Mobilität im Alter. Darüber hinaus führt es zu einer Verbesserung der Knochendichte.

Neurologische Effekte

DHEA und andere Steroidhormone wie Pregnenolon und Progesteron stimulieren offensichtlich das Nervenwachstum. Diese Erkenntnis spielt vor allem für neurodegenerative Erkrankungen, bei denen Nervengewebe fortschreitend zugrunde geht, eine herausragende Rolle. Aktuelle klinische Studien untersuchen daher auch den Einsatz dieser Steroidhormone bei Parkinson und Multipler Sklerose, mit dem Ziel, den Krankheitsverlauf zu verbessern.

Psychische Wirkung

Bei Frauen und Männern, die DHEA einnehmen, verbessert sich das subjektive physische und psychische Wohlbefinden signifikant. Probandinnen und Probanden in den Studien schliefen besser, beschrieben ein gesteigertes Energieniveau und eine höhere Stresstoleranz (besseres »stress-coping«).
DHEA mildert außerdem altersbedingte Müdigkeit. Die Symptome von Patienten mit endogener Depression oder depressiver Verstimmung verbessern sich deutlich. Darüber hinaus werden durch DHEA andere Neurotransmitter wie Dopamin, Glutamat und GABA beeinflusst. In der Psychiatrie wird DHEA daher bereits seit Langem bei der Behandlung von Depressionen verschiedener Ursache eingesetzt.

Herz-Kreislauferkrankungen

Probandinnen und Probanden mit einer adäquaten DHEA-Blutkonzentration haben niedrigere Insulin-, Glukose- und Cholesterinwerte und damit ein geringeres Risiko für Herzerkrankungen sowie eine höhere Lebenserwartung. Dies zeigt eine Studie über einen Beobachtungszeitraum von zwölf Jahren. Basierend auf der Erkenntnis, dass hohe DHEA-Spiegel vor der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, untersuchen klinische Studien aktuell die präventive DHEA-Gabe. In einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie, konnte bereits 1986 eine Reduktion kardiovaskulärer Komplikationen durch die DHEA-Gabe von 36 % gezeigt werden.

Schwangerschaft

DHEA stärkt die Funktion der Eierstöcke und die ovarielle Reserve, erhöht die Schwangerschaftsrate, verringert die Wahrscheinlichkeit für Gendefekte und senkt somit das Risiko für Fehlgeburten. DHEA wird vor allem bei Frauen mit einer reduzierten Ovarialreserve bzw. bei Frauen, die nur schlecht auf eine Stimulation im Rahmen der Kinderwunschbehandlung ansprechen, angewendet. Aktuelle Studien sehen einen Ansatzpunkt der DHEA-Gabe bei der Eizellreifung in der Erhöhung der Energiebereitstellung durch eine erhöhte mitochondriale Aktivität in der Eizelle, die wiederum mit einer Abnahme des Zelltodes (Apoptose) in Zusammenhang steht.

Sexualfunktion/Menopause

DHEA kann einen Östrogenmangel ausgleichen. Auch wenn die Eierstöcke kein Östrogen mehr bilden, können die Nebennieren weiterhin Östrogene aus DHEA herstellen. Mit DHEA können Frauen somit in und nach der Menopause dem sinkenden Östrogenspiegel auf natürlichem Weg entgegenwirken.
Die Umwandlung des DHEA in Androgene, u. a. auch Testosteron, führt zu einer Erhöhung der sexuellen Lust, der Orgasmusintensität und sexuellen Aktivität. Bei Frauen vermag DHEA deshalb wie ein »natürliches Viagra« zu wirken. Darüber hinaus hat DHEA bei lokaler Anwendung einen positiven Effekt auf die Scheidenschleimhaut und kann bei jungen Frauen mit Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) wirkungsvoll eingesetzt werden. Vaginal verabreichtes DHEA ist eine der wirkungsvollsten Therapien zur Behandlung der Scheidenatrophie. Es führt zu einer verbesserten Befeuchtung der Scheide (Lubrikation). Dies führt zu einer Abnahme des im Alter aufgrund der Scheidenatrophie häufig anzufindenden schmerzhaften Geschlechtsverkehrs.

Libido

72 % der Männer über 70 Jahre sind von sexuellen Problemen betroffen. An erster Stelle stehen hier die erektile Dysfunktion und der Verlust des sexuellen Interesses. Aber auch bei jüngeren Männern konnte ein niedriger DHEA-Spiegel mit einer erektilen Dysfunktion in Zusammenhang gebracht werden. Bei 40- bis 60-jährigen Männern mit erektiler Dysfunktion und niedrigem DHEA-Spiegel verbessert eine DHEA-Therapie die Erektionsfähigkeit und die Libido signifikant. Darüber hinaus führt die DHEA-Gabe auch bei Männern wieder zu einer Zunahme der sexuellen Lust sowie der Aktivität.

Immunologische Effekte

DHEA verstärkt die Immunantwort des Organismus. Mit Viren (Herpes-Virus Typ 2, Epstein-Barr-Virus), Bakterien oder Parasiten infizierte Tiere zeigen unter DHEA-Substitution indirekt eine gesteigerte Immunabwehr, indem DHEA die Lymphozyten (spezifische Immunabwehrzellen) stimuliert. HIV-infizierte Menschen haben einen wesentlich niedrigeren DHEA-Spiegel im Blut als nicht infizierte. DHEA scheint die Vermehrung des Virus zu reduzieren, bei bereits erkrankten HIV-Patienten beeinflusst die Einnahme von DHEA das Krankheitsbild positiv.

Wirkung auf die Haut

DHEA steigert die Prokollagen-Synthese und verhindert den altersbedingten Kollagenabbau. UV-Licht reduziert und inaktiviert das Kollagen produzierende Enzym. DHEA mindert diesen schädigenden Vorgang, fördert die Kollagenbildung, verbessert damit die Hautelastizität und reduziert Falten. DHEA ist eine Anti-Aging-Substanz für die Haut.

Wie wird DHEA in der Therapie eingesetzt?

Um die richtige tägliche Dosis an DHEA zu ermitteln, sollten Sie einen Hormonspezialisten (Endokrinologen) zu Rate ziehen. Erstrebenswert ist ein DHEA-Spiegel, wie ihn natürlicherweise 25- bis 30-Jährige aufweisen. Die Substitution sollte anhand der Blutwerte angepasst werden und die Blutkonzentration von DHEA muss in der Therapie nach etwa vier Wochen kontrolliert werden.

Mögliche Nebenwirkungen von DHEA

Zu hohe, unnatürliche Mengen an DHEA können Akne, vermehrten Haarwuchs oder eine tiefere Stimme bei Frauen zur Folge haben. Wird die DHEA-Dosis reduziert, verschwinden diese Symptome wieder. Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit und verstärkte Ermüdbarkeit können ebenfalls Anzeichen für eine starke Überdosierung mit DHEA sein. Eine Therapie mit DHEA sollte immer unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.
DHEA sollte nur zur Prävention von Krebserkrankungen eingenommen werden, jedoch nicht bei bereits diagnostizierten, sogenannten Hormonrezeptor-positiven Krebsarten, zu denen z. B. Brust-, Eierstock- oder Gebärmutterkrebs bei Frauen und Prostatakrebs bei Männern gehören.

Wenn Sie mehr wissen möchten …

Unsere Broschüre »DHEA. Das Jungbrunnenhormon.« informiert Sie umfassend rund um das Steroidhormon DHEA. Sie können ein PDF der Broschüre bequem herunterladen.

Weitere informative Broschüren finden Sie in unserer Infothek.

 

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