PCO-Syndrom – ein Symptomkomplex

Beim sogenannten PCO-Syndrom handelt es sich um eine Auflistung verschiedener Symptome, dies nennt man in der Medizin ein Syndrom. Es ist die häufigste Hormonstörung bei Frauen, bei der die Eierstöcke eine größere Zahl an kleinen Eibläschen aufweisen. Die Diagnose PCO löst bei vielen Frauen Angst und Schrecken aus. Wir möchten Sie nun aufklären.

»Etwa 5 bis 10 % aller Frauen im gebärfähigen Alter sind weltweit vom PCO-Syndrom betroffen. Es ist daher eine häufige Erkrankung, um die sich dennoch viele Mythen drehen.«

Dr. Jörg Puchta

PCO ist die Abkürzung für Polyzystische Ovarien. Das Wort leitet sich vom Lateinischen ab und bedeutet »viele Zysten«. Damit ist ein bestimmtes Aussehen der Eierstöcke gemeint, an denen sich nämlich eine erhöhte Zahl an kleinen Eibläschen findet. Der Begriff ist verwirrend, denn man denkt dabei an Zysten oder Tumore – und solche liegen eben gerade nicht vor. Eine entsprechende Änderung des Begriffs hat sich leider nicht durchgesetzt.

Die Diagnose PCO löst bei vielen Frauen Angst und Schrecken aus. Fragen wie »Müssen die Zysten herausgeschnitten werden?«, »Sind meine Eierstöcke krank?« und »Kann ich jemals Kinder haben?« hören wir täglich in unserer Sprechstunde.

Die Behauptung, dass Frauen mit PCO unfruchtbar seien, ist obsolet und muss als falsch bezeichnet werden. Ganz im Gegenteil – sie sind sogar sehr viel länger in ihrem Leben fruchtbar als Frauen ohne PCOS.

Gut zu wissen

Der Begriff Polyzystische Ovarien ist verwirrend, denn man denkt dabei an Zysten – und solche liegen eben gerade nicht vor.

 

Die Symptome des PCO-Syndroms

Das PCO-Syndrom ist ein komplexes Bild mit vielen Facetten. Nur wenige dieser Facetten liegen im jeweiligen Einzelfall vor. Mit anderen Worten: Fast keine Frau hat alle Symptome.

Die Hauptmerkmale des PCO-Syndroms sind:

  • Mehr oder weniger erhöhte männliche Geschlechtshormone im Blut. Symptome können sein: Akne, fettige Haut, vermehrte Körperbehaarung, Ausfall des Kopfhaares.
  • Unregelmäßige Eisprünge (manchmal finden sich über Monate gar keine Eisprünge) und unregelmäßige Regelblutungen.
  • Eine Neigung zu Übergewicht.
  • In seltenen Fällen kommt es zu einer Insulinresistenz, die das Risiko für einen Diabetes mellitus erhöhen kann.

Der Diabetes und die Übergewichtigkeit können dann als Spätfolge das Risiko für Arterienverkalkungen und Bluthochdruck erhöhen.

 

Die häufigsten hormonellen Befunde beim PCO-Syndrom

Alle nachfolgend genannten Abweichungen der Hormonwerte sind fakultativ, d. h., sie können auftreten, müssen es jedoch nicht!

  • Überschuss männlicher Hormone
  • Erniedrigtes SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin: Dieses Protein bindet freie Androgene im Blut)
  • Erhöhte AMH-Spiegel (Anti-Müller-Hormon: Das AMH spiegelt die Ovarialreserve wider und ist erhöht, wenn viele Eibläschen vorliegen)
  • Insulin- und IGF-1-Erhöhungen (als Folge einer Erniedrigung des IGF-1-Bindungsproteins – analog zum SHBG)
  • Erhöhung der Leptinspiegel, eines Hormons aus den Fettzellen
  • Erhöhung des LH-/FSH-Quotienten (Diese LH-/FSH-Erhöhung wird oft als zwingend angesehen, was nicht zutrifft. Es gibt auch PCO-Syndrome mit niedrigem LH-/FSH-Spiegel – insbesondere dann, wenn das Syndrom von einer hypothalamischen Insuffizienz überlagert wird.)

In letzter Zeit wird vermehrt auf den SHBG-Spiegel geachtet, da eine Erniedrigung dieses Bindungsproteins im Blut mit einer ungünstigen Verteilung der Blutfette einhergehen kann.

Der SHBG-Spiegel beim PCO-Syndrom

Mit einer Erniedrigung des SHBG-Spiegels geht eine ungünstige Verteilung der Blutfette einher.

 

Die Behandlung des PCO-Syndroms

Die Behandlung des PCO-Syndroms hat sich grundlegend geändert, viele alte Dogmen sind verlassen worden. So gilt die Verordnung der Antibabypille oder von Glukokortikoidpräparaten mittlerweile als veraltet. Es kommen – wenn nötig – vermehrt niedrig dosierte, natürliche Hormone zum Einsatz. Außerdem hat Metformin aufgrund seiner herausragenden Stellung in der Präventionsmedizin auch beim PCO-Syndrom immense Bedeutung erlangt.

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Häufige Fragen und ihre Antworten

Im Folgenden haben wir für Sie einige der häufigsten Fragen in Zusammenhang mit dem PCO-Syndrom zusammengestellt.

Ist ein PCO-Syndrom vererbbar?

Ja. Familienstudien weisen beim PCO-Syndrom auf einen autosomal-dominanten Erbgang hin. Die Genetik des PCO-Syndroms ist allerdings heterogen, d. h., es sind mehrere Gene bzw. Genorte bekannt (Polymorphismen im CYP11A1, CYP17 oder Follis- tatin-Gen u. a.). Die Vererbung findet entsprechend einem autosomal-dominanten Erbgang über Vater und Mutter statt. So hatten 52 % der Mütter, 21 % der Väter und 55 % der Geschwister von PCO-Syndrom-Patientinnen ebenfalls einen PCO-ähnlichen Phänotyp.
Männer leiden entweder an einer zu frühen Glatzenbildung oder einer vermehrten Behaarung. Eine Studie an Müttern und Töchtern konnte nachweisen, dass fast alle Töchter von Müttern mit PCO-Syndrom ebenfalls das Syndrom geerbt hatten.
Eine aktuelle Arbeit zeigt, dass genetische Veränderungen, die zu einer Änderung der Spiegel von LH und FSH führen, ursächlich für die Entstehung eines PCO-Syndroms sein könnten.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen PCO-Syndrom und der Schilddrüsenfunktion?

Frauen mit PCO-Syndrom haben häufiger eine latente Hypothyreose, also eine leichte, harmlose Unterfunktion der Schilddrüse. Diese lässt sich leicht mit natürlichen, niedrig dosierten Schilddrüsenhormonen behandeln.

Was hat Insulin mit dem PCO-Syndrom zu tun?

Die manchmal verringerte Ansprechbarkeit von Insulin auf den Blutzuckerspiegel beim PCO-Syndrom (Insulinresistenz) führt kompensatorisch zu einer vermehrten Insulinfreisetzung des Körpers. Die so entstehenden erhöhten Insulinspiegel verstärken den bereits bestehenden Überschuss an männlichen Hormonen dadurch, dass Insulin eine LH-ähnliche Aktivität hat und somit die ohnehin schon erhöhten LH-Spiegel weiter triggert. Insulin hemmt zudem die Bildung des für die Reduzierung männlicher Hormone wichtigen Bindungsproteins SHGB in der Leber.

Gibt es Spätfolgen eines PCO-Syndroms?

Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Altersdiabetes und eines Schwangerschaftsdiabetes ist bei PCO-Patientinnen zwar leicht erhöht, aber die Wissenschaft ist sich immer noch nicht endgültig darüber einig, wie ausgeprägt diese potenziellen Spätfolgen wirklich sind.

Dauerhaft hohe Insulinspiegel können in ungünstigen Fällen – wenn weitere Risikofaktoren hinzukommen – zu Ablagerungen in den Blutgefäßen führen. Liegen mehrere der folgenden Symptome vor, fasst man dies in der Fachsprache mit dem Begriff »metaboles Syndrom« zusammen: Übergewicht (Adipositas), Bluthochdruck (Hypertonie), Fettstoffwechselstörung (Hyperlipidämie), Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), hoher Blutzucker (Diabetes mellitus).

Gibt es neue Therapiekonzepte in der Kinderwunschbehandlung bei einem PCO-Syndrom?

Der positive Einfluss von Metformin wurde von mehreren anerkannten internationalen Studiengruppen untersucht. Dabei zeigten sich sehr gute Ergebnisse bei der Behandlung des PCO-Syndroms. Es konnte eine Verbesserung der Insulinresistenz, eine Senkung des LH-Spiegels, eine Erhöhung der SHBG-Synthese, eine Verminderung der Androgene und eine Regulierung des Menstruationszyklus nachgewiesen werden. Zudem zeigt sich ein überaus günstiger Effekt auf gewichtsreduzierende Maßnahmen. In der Anfangsphase der Metformin-Gabe auftretende Nebenwirkungen wie Völlegefühl, Blähungen und Durchfall sind häufig durch die Nahrungszusammensetzung mitbedingt (fettreich!) und können durch eine einschleichende Dosierung beherrscht werden (»The problem is not the drug but the diet!«).

Myo-inositol ist eine Vitamin-B-ähnliche Substanz und führt über die Korrektur des »insulin pathway« zu einer Verbesserung der Insulinresistenz und damit ebenfalls zu einer Regulierung des Menstruationszyklus. Die Regulierung des Menstruationszyklus, d. h., dass wieder eine Eizellreifung im Eierstock stattfindet, ist die Voraussetzung für die Verbesserung der spontanen Schwangerschaftsrate.

Clomifen ist bei Kinderwunsch immer das Standardmedikament zur Herbeiführung einer Eizellreifung. Nebenwirkungen können in Form von Hitzewallungen und Flimmern vor den Augen auftreten. Die aktuellen Ergebnisse zum Einsatz von Aromatase-Inhibitoren wie z. B. Letrozol sind dagegen enttäuschend. Dabei betrug die Lebendgeburtenrate lediglich 18,7 %.

Zusammenfassung: Das Syndrom der polyzystischen Ovarien ist eine Variation der Norm mit verschiedenen Kennzeichen. Die Diagnose eines PCO-Syndroms ist keine medizinische »Katastrophe« mehr, wie dies früher oft vermittelt wurde.
Bei Kinderwunsch können wir in der überwiegenden Zahl der Fälle mit den beschriebenen Maßnahmen eine Follikelreifung wiederherstellen.

 
 

Wenn Sie mehr wissen möchten …

Unsere Broschüre »Das PCO-Syndrom. Ein Faszinosum der Evolution.« informiert Sie umfassend zu diesem Thema. Sie können ein PDF der Broschüre bequem herunterladen oder ein kostenloses Exemplar bestellen.

Weitere informative Broschüren finden Sie in unserer Infothek.

 

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