Metformin – ein potenzielles Anti-Aging-Medikament

Metformin kommt bei Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) zum Einsatz und wirkt auf den Blutzucker- und Insulinspiegel, indem es die Wirkung des körpereigenen Insulins verstärkt. Durch die gebremste Insulinausschüttung sinkt auch das Hungergefühl, wodurch das Abnehmen erleichtert wird. Metformin verursacht dabei keinen Unterzucker.

Was ist Metformin?

Metformin ist ein Stoff aus der französischen Fliederpflanze, der bei Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2) zum Einsatz kommt. Im Gegensatz zu anderen beim Diabetes eingesetzten Substanzen verursacht Metformin keinen Unterzucker. Jenseits seiner Hauptwirkung auf den Zuckerstoffwechsel hat Metformin zahlreiche weitere positive Effekte auf die Gesundheit.

Metformin fand in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts zum ersten Mal in der medizinischen Literatur Erwähnung. In England ist es seit 1958 zugelassen.

In einer aktuellen, revolutionären Studie suchte der Forscher Greg Fahy nach Wegen, den altersbedingten Niedergang eines wichtigen Organs des Immunsystems, den Thymus, zu regenerieren. Deshalb trägt die Studie auch den hübschen Namen TRIIM-Thymus Regeneration Immunorestoration and Insulin Mitigation. Dazu verabreichten die Forscher neun gesunden Männern im Alter von 51 bis 65 Jahren ein Jahr lang als wichtigsten Faktor das menschliche Wachstumshormon – und Metformin. Die Ergebnisse dieser Studie finden Sie auf unserer Sonderseite zur TRIIM study.

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Metformin und seine Wirkung

Metformin wirkt im Innersten der Zellen, den sogenannten Mitochondrien. Es erhöht u. a. die Produktion von sogenannten »longevity-promoting signaling molecules« wie mTOR und AMPK, welche die Zucker­speicherung in sämtlichen Zellen reduzieren. Die Herunter­regelung der zellulären Aktivitäten – diese Prozesse wie beim Fasten – führt zu einer Reparatur an unserer DNA. Hierdurch wird die Zellalterung verlangsamt. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass der Verbrennungs­prozess in den Zellen mit Metformin in irgendeiner Form sauberer abläuft, quasi mit einer Art zellulärem Katalysator. Das heißt, es entstehen weniger giftige Abfallstoffe. Wenn die Daten das irgendwann endgültig belegen, dann können wir sagen: Mit Metformin kriegen wir weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weniger Arteriosklerose, weniger Demenz, weniger Übergewichtigkeit, weniger Krebs und natürlich weniger Diabetes.

Die positiven Wirkungen von Metformin haben wir Ihnen im Folgenden zusammengestellt:

Hilft die Gabe von Metformin bei Insulin- und Zuckerstoffwechsel?

Metformin ist eines der am längsten eingesetzten sogenannten Anti­diabetika. Mit keinem anderen Medikament dieser Stoff­klasse liegen so umfangreiche Erfahrungen vor, wobei das genaue Wirk­prinzip bis heute nicht vollständig aufgeklärt ist. In diversen Studien konnte gezeigt werden, dass es die Wirkung von Insulin in den Muskeln und im Fett­gewebe verbessert, so dass die Zellen mehr Zucker (Glucose) aufnehmen und verwerten können. Metformin hemmt sowohl die Zucker­neubildung in der Leber als auch die Aufnahme von Zucker aus dem Darm und erleichtert dadurch die Gewichts­abnahme.

Weiterführende Informationen zu oralen Antidiabetikern finden Sie auf der Website von Diabetiker-Bedarf.de.

Wird Metformin bei der Behandlung des PCO-Syndroms eingesetzt?

Metformin wird seit Jahren erfolgreich bei der Behandlung des PCO-Syndroms (Poly­zystisches Ovarsyndrom) verwendet. Durch die Gabe von Metformin normalisiert sich der Zyklus und es kommt wieder vermehrt zu spontanen Eisprüngen.

Hilft Metformin bei Alzheimer & Morbus Parkinson?

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Metformin in Nervenzellen von Mäusen u.a. der Bildung des an der Alzheimer-Erkrankung beteiligten Zellstruktur­proteins Tau entgegenwirkt. Außerdem gibt es positive Effekte beim Morbus Parkinson.

Schützt Metformin vor Krebs?

Aus Studien an Zellkulturen ist bekannt, dass Metformin den bei Krebszellen aufgehobenen, natürlichen »Selbstmord­mechanismus« der Tumorzellen (Apoptose) wieder herstellt und sich die Tumor­zellen somit wieder selbst zerstören. Dieser Effekt ist sogar nachweisbar, wenn Metformin erst mit Beginn der Tumor-Diagnose eingenommen wird. Eine im September 2011 veröffentlichte Forschungs­arbeit konnte zeigen, dass sich Metformin hemmend auf das Wachstum von Brust­krebs­zellen auswirkt. Es fördert den Abbau der Tumorzellen (Apoptose). Außerdem konnte ein stimulierender Effekt auf bestimmte Immunzellen (murine T-Zellen) festgestellt werden. Dieser Effekt könnte zu einer verstärkten Immunität gegenüber Krebs beitragen, ein Mechanismus, der wohl bei allen Krebsarten wirkt.

Kann Metformin Krankheiten in der Schwangerschaft verhindern?

In einer wissenschaftlichen Arbeit des Fachmagazins »Fertility & Sterility« im Jahr 2008 konnte gezeigt werden, dass Metformin die Entstehung eines Schwanger­schafts­diabetes verhindern kann.

Metformin konnte außerdem die Häufigkeit von Präeklampsien bei Schwangeren mit Übergewicht (aber ohne Diabetes) deutlich senken. Im Metformin-Arm der Studie erkrankten nur 3,0 % der Schwangeren an einer Präeklampsie, während es im Placebo-Arm 11,3 %, also fast viermal so viele Frauen waren!

Auch bei bestehender Diabetes in der Schwangerschaft ist die Anwendung von Metformin sinnvoll. In einer Metaanalyse von fünf kontrollierten Studien mit 1.270 Schwangeren konnte eine geringere Gewichts­zunahme, eine fast halbierte Rate an Schwangerschafts-Bluthochdruck und ein niedrigerer Nüchtern­blutzucker als bei alleiniger Insulingabe beobachtet werden.

Weltweite Studien haben gezeigt, dass eine indizierte Einnahme von Metformin den Schwanger­schafts­verlauf positiv beeinflusst. In einem Artikel der Ärztezeitung von 2005 wird die Einnahme von Metformin bei Schwangeren mit PCO-Syndrom sogar bis zur 20. Schwangerschafts­woche empfohlen. In Deutschland ist es für diese Indikation jedoch nicht zugelassen.

Gibt es einen positiven Effekt von Metformin bei Endometriose?

Neuere wissenschaftliche Arbeiten wiesen den positiven (hemmenden) Effekt von Metformin auf die Frauen­krankheit Endometriose nach.

Hilft Metformin bei unerfülltem Kinderwunsch?

Im Rahmen einer IVF-Behandlung kommt es bei Frauen, die Metformin einnehmen und an einem PCO-Syndrom leiden, zu einer signifikant niedrigeren Zahl an Überstimulationen (etwa ein Viertel im Vergleich zum Normalkollektiv).

Ist Metformin eine Art Anti-Aging-Medizin?

Viele Studien an Tieren haben gezeigt, dass hohe Zucker- und Insulinspiegel wichtige Faktoren sind, die den Alterungs­prozess beschleunigen und mit einer erhöhten Krebsrate einhergehen. Zucker, das größte Gift des 20. und wohl auch des 21. Jahrhunderts, führt zu einer schädlichen Glykosylierung vieler Moleküle in den Körperzellen selbst und an der DNA, also dem Erbgut, der Zellen. Es gibt Meinungen, dass die Alzheimer-Erkrankung Ausdruck eines Diabetes im Gehirn sein könnte (sogenannter Diabetes Typ 3). Metformin greift positiv in diesen gestörten Zucker­stoffwechsel ein und führt bei vielen Säugetieren zu einer deutlichen Verlängerung der Lebensspanne. Ein interessantes Phänomen in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Diabetiker, die Metformin nehmen, länger leben als Menschen ohne Diabetes, die kein Metformin nehmen.
Die amerikanische Behörde FDA hat die Genehmigung für eine Studie erteilt, die die Wirksamkeit von Metformin als Anti-Aging-Medikament überprüfen wird: Targeting Aging with Metformin (TAME). Dies ist die erste Studie zu einem potenziellen Anti-Aging-Medikament, die jemals von der FDA genehmigt wurde.

Der Wirksamkeit von Metformin bei der Verhinderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, Krebs­erkrankungen, Diabetes mellitus und hohem Blutdruck ist bereits in vielen Studien nachgewiesen worden.

Welche Wirkung hat Metformin bei einer COVID-19 Infektion?

Eine frühzeitige Behandlung von COVID-19 bei übergewichtigen und adipösen Patienten mit Metformin hat in einer Phase-3-Studie im Lancet (2023; DOI: 10.2139/ssrn.4375620) nicht nur die Zahl der schweren Verläufe vermindert. Nach den veröffentlichten Ergebnissen kam es in den folgenden Monaten auch seltener zu einer Long-COVID-Diagnose. Seit einigen Jahren untersucht man solche sogenannten „Repurpusing”-Kandidaten, das sind Wirkstoffe, die bereits bei anderen Erkrankungen zugelassen sind, auf ihre Wirkung bei COVID-19.

Profitieren Patienten mit (moderater) Niereninsuffizienz von Metformin?

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (kurz CHMP) der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) hat sich dafür ausgesprochen, dass Metformin in Zukunft auch bei Patienten mit (moderater) Niereninsuffizienz eingesetzt werden kann. Metformin war bis dato bei mäßig eingeschränkter Nierenfunktion verboten, da man befürchtete, diese Patienten hätten ein höheres Risiko, eine Übersäuerung des Blutes zu entwickeln. Nach Sichtung der wissenschaftlichen Literatur sowie der Leitlinien kam man seitens des CHMP jedoch zu dem Schluss, dass Patienten mit Niereninsuffizienz von Metformin profitieren.

Metformin greift positiv in einen gestörten Zuckerstoffwechsel ein und führt bei vielen Säugetieren zu einer deutlichen Verlängerung der Lebensspanne.

Metformin in der Therapie

Die Tabletten sind – nach Anweisung des Arztes – nach jeder Mahlzeit einzunehmen. Es gibt kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Die Höhe der Dosis ist abhängig vom Körpergewicht:

  • unter 60 kg: 1 bis 3 × 500 mg/Tag
  • 60 – 90 kg: 1 bis 3 × 850 mg/Tag
  • über 90 kg: 1 bis 3 × 1.000 mg/Tag

Die Einnahme von Metformin sollte nicht zusammen mit sehr fetthaltigem Essen erfolgen (»the problem is the diet, not the drug«), da es zu Völlegefühl und Übelkeit kommen kann.

Mögliche Nebenwirkungen von Metformin

In manchen Fällen – meist zu Behandlungsbeginn – kann die Einnahme von Metformin gastrointestinale Symptome wie Übelkeit, Völlegefühl, Durchfall und Bauchschmerzen verursachen. Eine sehr seltene Ursache solcher Nebenwirkungen kann die Lactoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) sein, da einige der Präparate mit einer Schicht aus Milchzucker überzogen sind. In diesem Fall kann der Arzt ein lactosefreies Präparat verordnen.

Metformin interferiert mit der Absorption von Vitamin B12 und sollte deshalb zusammen mit Vitamin B12 gegeben werden.

Während der Therapie mit Metformin sollten Alkoholexzesse vermieden werden, da Alkohol die blutzuckersenkende Wirkung von Metformin verstärkt. Vor Operationen sollte Metformin für zwei Tage abgesetzt werden.

Wenn Sie mehr wissen möchten …

Metformin.
Ein potenzielles Anti-Aging-Medikament.

Metformin ist ein Arzneistoff, welcher zur Gruppe der Biguanide gezählt wird und der bei nicht-insulinabhängiger Zucker­krankheit (Diabetes mellitus Typ 2) und bei Über­gewicht zum Einsatz kommt. Metformin wirkt sich positiv auf den Blut­zucker- und den Insulin­spiegel aus, indem es die Wirkung des körpereigenen Insulins verstärkt. Erfahren Sie mehr in unserer Broschüre.

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