Die TRIIM Studie und ihre revolutionäre Entdeckung

Es folgt eine kleine Zusammenfassung der TRIIM-study, einer Studie an Menschen, die gezeigt hat, dass das biologische – epigenetische – Alter des Körpers tatsächlich umgekehrt werden kann.

Die Studie, um die es hier geht, stammt aus dem Jahre 2019 und hat den Namen TRIIM (Thymus Regeneration, Immunorestoration and Insulin Mitigation) study. In dieser Studie konnte erstmals nachweislich die genetische Uhr zurückgesetzt werden, und zwar während einer Studiendauer von einem Jahr um sagenhafte 2,5 Jahre! Ursprünglich war die Studie angelegt worden, um nachzuweisen, dass der Thymus, ein immunologisches Organ, das mit dem Altern schrumpft, unter dem Einfluss bestimmter Hormone wieder wachsen kann. Initiator der Studie ist der Immunologe Gregory Fahy. Die Studie erfolgte – nach einem Selbstversuch an sich selbst – an zehn Männern zwischen 51 und 65 Jahren und wurde 2015 von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) genehmigt.

Die Studienteilnehmer erhielten ein Jahr lang fünf verschiedene Hormone und Vitamine als Cocktail. Bei den Substanzen handelte es sich um alte Bekannte aus der endokrinologischen Anti-Aging-Medizin: Wachstumshormon (HGH), Metformin, Vitamin D, Zink und DHEA. All diese Substanzen werden auch an unserer Klinik seit Jahren angewandt und zu jeder einzelnen Substanz haben wir entsprechende Informationsbroschüren veröffentlicht. In der Studie wurde das menschliche Wachstumshormon eingesetzt, weil bereits bekannt war, dass es die Regeneration des Thymus nachhaltig beeinflusst. Metformin wurde zum Zeitpunkt des Studienbeginns nicht wegen seiner bekannten Anti-Aging-Effekte eingesetzt, sondern als Gegenspieler für die unter Wachstumshormon-Therapie ansteigenden Glukosespiegel. Vitamin D und Zink wurden hinzugefügt, weil bekannt war, dass diese beiden Substanzen die Immunfunktion verbessern. DHEA wiederum ist ein bekanntes Hormon aus der Nebennierenrinde, von dem bekannt ist, dass es mit dem Alter zunehmend abnimmt und ebenfalls positive Effekte auf das Immunsystem hat.

Der sogenannte primäre Endpunkt der Studie war die Thymus-Größe, gemessen anhand von MRT-Aufnahmen. Die Ergebnisse zeigten, dass der funktionelle, aktive Anteil des Thymus tatsächlich zunahm. Bestimmte immunologische Parameter wie beispielsweise das C-reaktive Protein und das Verhältnis bestimmter Blutzellen (Lymphozyten-Monozyten-Ratio) veränderten sich zum Positiven, ein Maß für die Resistenz eines Organismus gegen Krebserkrankungen. Außerdem erniedrigte sich der Anteil der T-Zellen, die PD-1 positiv waren. PD-1 ist ein Mittel, mit dem Krebszellen sich gegen das Immunsystem abkapseln. Mit einer solchen Erniedrigung sind Krebszellen der Immunabwehr stärker ausgeliefert.

Zurück in die Vergangenheit:

Es ist gelungen die genetische Uhr um 2,5 Jahre zurückzudrehen.

Literatur-Empfehlung

Spiegel Bestseller »Verjüngung ist möglich« von Nina Ruge

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»Natürlich wurde nach Veröffentlichung der TRIIM-Studie die wissenschaftliche Verwertbarkeit der Ergebnisse bezweifelt: zu wenige Probanden, keine Placebo-behandelte Kontrollgruppe etc. Doch die Möglichkeit, die Lebensuhr tatsächlich zurückdrehen zu können, war so spektakulär, dass diese Arbeit enorme Wellen schlug. Prompt wurde eine zweite Studie aufgesetzt, die nun allen Anforderungen entsprechen soll: TRIIM-X ist ihr Name. Sie wird erneut über zwölf Monate laufen und wieder wird derselbe Wirkstoffcocktail verwendet. Doch dieses Mal nehmen 85 Probanden im Alter zwischen 40 und 80 Jahren teil und – endlich – auch Frauen.«

Zitat von Dr. Jörg Puchta, aus dem Buch »Verjüngung ist möglich« von der Spiegel-Bestseller-Autorin Nina Ruge, Gräfe und Unzer Verlag

Gregory Fahy kam dann durch Zufall in Gesprächen mit einem anderen Forscher, Steve Horvat, auf die Idee, die Studie zu erweitern und neuste Methoden der Altersbestimmung mittels der Grim Age Clock von Steve Horvath – hierbei wird die Methylierung der Aminosäure Cytosin gemessen – anzuwenden. Diese Methode ist die derzeit beste Art, die Lebenszeit eines Organismus abzulesen. Steve Horvath ist in diesem Bereich seit Jahrzehnten der führende Pionier und wurde deshalb auch für die TRIIM study mit ins Boot geholt. Die Ergebnisse bezüglich der biologischen Uhr sind also eher durch Zufall entstanden. »I’d expected to see slowing down of the clock, but not a reversal. That felt kind of futuristic«, so Steve Horvath, Studienleiter der epigenetischen Analyse, University of California. Interessant ist noch zu erwähnen, dass der höchste Effekt sich in den letzten drei Monaten der Studiendauer einstellte. Bestimmte Therapien im Bereich Anti-Aging brauchen ganz offensichtlich Zeit. Unter vielen Anti-Aging-Forschern gilt es als sicher, dass am Alterungsprozess die Rückbildung des Thymus, das sogenannte Methylierungsprofil unserer DNA (der Anteil der methylierten Cytosin-Moleküle), bestimmte Taktgeber im Hypothalamus (eine bestimmte Hirnregion) und die Länge der Telomere (stabilisierende Endstücke unserer DNA) eine entscheidende Rolle spielen. Altern findet unter dem Einfluss von genetischen Faktoren statt. Wie früh dieser Prozess beginnt, lässt sich daran erkennen, dass bereits im Alter von 25 Jahren der Thymus 30 % seiner Masse verloren hat und im Alter von 60 Jahren die Masse auf 50 % zurückgegangen ist.

Da der Thymus ein immunologisches Organ ist, könnte das Schrumpfen dieses Organs Auswirkungen auf den Alterungsprozess haben, denn für ein gesundes Altern ist die Abwehr von Krankheiten und Krebszellen durch das Immunsystem immens wichtig. Die Frage, welcher der Kandidaten des Cocktails den höchsten Effekt hat, bleibt allerdings – noch – unbeantwortet.

Viele Einzelstudien an verschiedenen Tieren haben u. a. positive Effekte auf das Gehirn (Verbesserung der Gedächtnisleistung, Schutz vor Demenz), das Herz-Kreislauf-System, Schutz vor Krebserkrankungen und die Langlebigkeit nachgewiesen. Es ist ein großer, gewagter Schritt, von diesen Studien auf den Menschen zu schließen, zumal die Dosierungen in den tierexperimentellen Studien mindestens 10-fach höher lagen als die bei Menschen angewandten. Die aktuell für den Menschen empfohlene Maximalzufuhr beträgt 6 mg/Tag.

Interessant zu wissen

Der höchste Effekt dieser Studie hat sich in den letzten drei Monaten der Studiendauer eingestellt.

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