Wachstumshormon – das Königshormon

Wachstumshormon, auch GH (< engl. Growth Hormone), ist einer der wichtigsten globalen Messenger des Organismus. Es reguliert die Ausreifung, das Größenwachstum, die Zellerneuerung und somit die Regeneration des Körpers.

Wachstumshormon hat von allen Hormonen den höchsten Einfluss auf die Fettverbrennung. Seine Ausschüttung aus der Hirnanhangsdrüse unterliegt einem tageszeitlichen Rhythmus und wird durch viele äußere Faktoren modifiziert. Niedrige Blutzuckerspiegel führen beispielsweise zu einer Erhöhung des Wachstumshormonspiegels, Schlafmangel zu einer Erniedrigung.

Die höchste Wachstumshormon-Produktion findet nachts während des Schlafes statt. Seine Produktion nimmt im Rahmen des Alterungsprozesses ab, dieser Prozess wird als Somatopause bezeichnet. Die körpereigene Wachstumshormonproduktion sinkt in zehn Jahren um etwa 15 %. Die meisten Sechzigjährigen verfügen somit nur noch über 25 % der in ihrer Jugend produzierten Menge an Wachstumshormon.

So wirkt Wachstumshormon im Körper

Wachstumshormon stimuliert in der Leber die Produktion eines Proteins namens Insulin-like-growth-factor 1 (IGF-1). Dieses Protein regt das Wachstum und den Stoffwechsel von Muskeln, Knochen, Haut und inneren Organen an. Deshalb ist Wachstumshormon auch in der Lage, unter anderem die Muskelmasse, die Kollagenbildung der Haut, die Vitalität, das psychische Wohlbefinden und die Libido zu steigern. All das macht es zu einem der potentesten Anti-Aging-Hormone. In der Kindheit und in der Pubertät sind die Blutspiegel von Wachstumshormon übrigens drei- bis viermal höher als im Erwachsenenalter, ein Phänomen, das – neben vielen anderen Faktoren – die höheren Energielevel und die unglaubliche Regenerationsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen erklärt.

Ein natürlicher Gegenspieler des Wachstumshormons ist das Hormon Insulin. Hohe Insulinspiegel hemmen die Wachstumshormon-Ausschüttung. Dies ist einer der Gründe für die Ernährungsempfehlung »Dinner-Cancelling« (abendliches Fasten). Der Verzicht auf die abendliche Nahrungsaufnahme führt zu einer Verbesserung der nächtlichen Wachstumshormonbildung. Ein Effekt, der auch durch viele sogenannte Kalorien-Restriktions-Mimetika wie Resveratrol und Metformin (beachten Sie hierzu auch unsere Resveratrol- und Metformin-Broschüre), erzielt wird. Im Umkehrschluss gilt: reichliches, spätabendliches Essen reduziert die Bildung von Wachstumshormon.

Viele Aminosäuren in Form von Nahrungsergänzungsmitteln oder Vitalstoffen wirken als sogenannte Wachstumshormon-Enhancer, d. h. sie fördern – in eingeschränktem Maße – die Wachstumshormon-Ausschüttung. Eines der wichtigsten natürlichen Hormone, welches die körpereigene Produktion von Wachstumshormon steigert, ist und bleibt das menschliche Schlafhormon Melatonin. Deshalb: immer auf gesunden Schlaf achten!

Einige der häufigsten Fragen im Zusammenhang zur Wirkungsweise von Wachstumshormon haben wir Ihnen im Folgenden zusammengestellt:

Ist Wachstumshormon gut für Wund- und Knochenheilung / Hautwachstum?

Substitution mit Wachstumshormon führt zu einer signifikant beschleunigten Wund- und Knochenheilung, was vor allem nach Polytraumata, großen Operationen, Knochenbrüchen und Verbrennungen therapeutisch wertvoll ist. Die Regenerationszeit nach Knochen- und Muskelverletzungen, sowie chirurgischen Eingriffen kann durch Wachstumshormon-Gabe deutlich verringert werden, mit der Folge einer schnelleren Mobilisierung und Rekonvaleszenz der Patienten. Sehr gute therapeutische Erfolge sind durch Wachstumshormon-Gabe bei systemischer juveniler idiopathischer Arthritis sowie bei der Behandlung starker Verbrennungen belegt.

Hilft Wachstumshormon bei Kinderwunsch?

Wachstumshormon führt quasi zu einer allgemeinen, hormonellen Verjüngung des Organismus und somit auch zu einer besseren Ansprechbarkeit der Eierstöcke und Hoden. Eine Studie aus dem Jahr 2011 konnte die positiven Effekte von Wachstumshormon auf die Eizellqualität ziemlich klar nachweisen. Die Schwangerschaftsrate – im Sinne der Lebendgeburtenrate – von Frauen, welche während der IVF-Stimulation begleitend mit Wachstumshormon behandelt worden waren, war deutlich höher als die der nicht behandelten Frauen. Wachstumshormon hat auch Einfluss auf die Spermatogenese und kann als unterstützende Therapie zur Verbesserung der Spermienbildung bei Männern mit einer Unterfunktion der Keimdrüsen (hypogonadotroper Hypogonadismus) führen, wenn diese nicht auf eine Therapie mit den üblichen Hormonen ansprechen (Non-Responder).

Verbessert Wachstumshormon die Denkfähigkeit?

Sowohl im Tiermodell als auch beim Menschen führt Wachstumshormon zu einer verbesserten Denkfähigkeit. In einem Alzheimer-Tiermodell konnte eine verminderte Ablagerung von Amyloid, dem neuropathologischen Korrelat der Erkrankung, nachgewiesen werden. Auch dies sind natürlich nur interessante Partialaspekte.

Welchen Einfluss hat Wachstumshormon auf das Gewicht?

Wachstumshormon führt zu einer vermehrten Fettauflösung (Lipolyse) und einer verminderten Fettneubildung (Liponeogenese). Mit der Zunahme an Muskelmasse führt Wachstumshormon damit zu einer verbesserten body composition, weshalb es auch zum Doping missbraucht wird.

Gibt es einem Zusammenhang zwischen Wachstumshormon-Mangel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Niedrige Wachstumshormon-Spiegel erhöhen das Risiko für Arteriosklerose. Durch die Gabe von Wachstumshormon kann – in-vitro – die altersabhängige Abnahme der sogenannten Endothelprogenitorzellen, dies sind Vorläufer-Zellen, aus welchen neue Gefäßwand-Zellen entstehen, ausgeglichen werden. Die Gabe von Wachstumshormon für diesen Zweck findet jedoch keine Anwendung in der praktischen Medizin.

Wie wirkt Wachstumshormon in der Anti-Aging-Medizin?

Im Laufe des Lebens sinkt die Produktion verschiedener Hormone kontinuierlich, was als Mitursache des Alterungsprozesses angesehen wird. Kommt es zu einem sehr starken Absinken von Wachstumshormon, spricht man von einer sogenannten Somatopause. Die positiven Ergebnisse der Substitution von Wachstumshormon bei Erwachsenen haben dazu geführt, dass Wachstumshormon seit Anfang der 1990er-Jahre als besonders wirksame Anti-Aging-Medizin eingesetzt wird, unter anderem sichtbar in Form einer deutlichen Hautstraffung durch die Anregung der Kollagensynthese. So konnte in einer Einzel-Studie die lokale Wachstumshormon-Injektion in das Kniegelenk eines älteren Mannes eine deutliche Verbesserung der Kollagensynthese und damit Verminderung der Kniegelenkbeschwerden gezeigt werden.

Eine Wachstumshormon-Substitution bei Erwachsenen kann mithin sinnvoll sein, wenn ein starkes Defizit und entsprechende Beschwerden vorliegen. In der berühmten TRIIM Studie aus dem Jahr 2019, einer Studie an Menschen, die gezeigt hat, dass das biologische (epigenetische) Alter des Körpers tatsächlich umgekehrt werden kann, kam unter anderem Wachstumshormon zum Einsatz. Ursprünglich war die Studie entworfen worden, um nachzuweisen, dass der Thymus, ein Immun-Organ hinter dem Brustbein, das mit dem Altern schrumpft, unter dem Einfluss bestimmter Hormone wieder wachsen kann. Die Studienteilnehmer erhielten ein Jahr lang fünf verschiedene Hormone und Vitamine als Cocktail. Beachten Sie hierzu auch unseren Flyer »Das biologische Alter zurückspulen. Neuestes aus der Anti-Aging-Medizin«.

Hilft Wachstumshormon bei Minderwuchs?

Zur Therapie von Minderwuchs bei Kindern wird Wachstumshormon übrigens seit über 50 Jahren verabreicht, ursprünglich aus Hypophysen-Extrakten von Verstorbenen, seit 1985 allerdings mit synthetisch hergestelltem Wachstumshormon. Eine Behandlung ist jedoch nur dann erfolgreich, wenn die Wachstumsfugen des Skeletts noch nicht geschlossen sind. Die Behandlung von Kindern zur Erhöhung der Körper-Endgröße (ohne wirkliche medizinische Indikation), die sich seit Einführung der bioidentischen Wachstumshormon Präparate immer größerer Beliebtheit erfreut, ist zwar hochwirksam, aber unter Medizinern aus verschiedensten Gründen umstritten.

Hohe Wachstumshormon-Spiegel, hohe Lebenserwartung?

Die Frage bezüglich des Effektes von Wachstumshormon auf die Lebenserwartung ist ungeklärt. Im Gegensatz zu den vielen Observationsstudien beim Menschen zeigen tierexperimentelle Studien eine Zunahme der Lebenserwartung mit Unterbrechung der Wachstumshormon-IGF-1-Signalachse. Dieses Phänomen ist bisher nicht geklärt. Menschen, die aufgrund einer Gen-Mutation eine defekte Wachstumshormon- IGF-1-Signalachse haben, zeigen keine höhere Lebenserwartung. Sowohl deutlich zu hohe als auch zu niedrige Wachstumshormon-Spiegel scheinen beim Menschen mit einer erniedrigten Lebenserwartung einherzugehen, allerdings ist dies sicherlich nur ein minimaler Partialeffekt in einem sehr großen, komplexen System.

Krankhafte Störungen der Wachstumshormon-Ausschüttung

Krankhaft erhöhte Wachstumshormon-Spiegel können zu einer Vergrößerung der Extremitäten (Akromegalie) führen. Ein Mangel an Wachstumshormon im Kindesalter kann Minderwuchs zur Folge haben. Im Erwachsenenalter führt ein unverhältnismäßiger Wachstumshormon-Mangel zu vielfältigen Symptomen wie beschleunigter Alterung, erhöhter Bauchfettmasse, reduzierter Muskel- und Knochenmasse, einem erhöhten kardiovaskulären Risiko und einer depressiven Stimmungslage.

Wachstumshormon-Gabe und Krebs

Die über Jahrzehnte praktizierte Anwendung von Wachstumshormon zur Behandlung von Minderwuchs zeigte bisher keine erhöhte Krebsrate bei den behandelten Patienten. Bei einer bereits bestehenden Krebserkrankung wird von der Behandlung mit Hormonen grundsätzlich abgeraten, da viele Krebszellen sich der Hormone bedienen, um schneller zu wachsen.

Die richtige Dosierung von Wachstumshormon

Wachstumshormon wird in Form von einfach zu applizierenden Subkutan-Spritzen verabreicht. Die Dosis muss individuell von einem erfahrenen Endokrinologen anhand des Hormonprofils festgelegt und kontrolliert werden.

Mögliche Nebenwirkungen von Wachstumshormon

Zu Beginn der Therapie kann es in seltenen Fällen zu Muskel- und Gelenkschmerzen aufgrund von Wassereinlagerungen bis hin zur Ausbildung eines Karpaltunnelsyndroms kommen. In den meisten Fällen verschwinden diese Symptome jedoch bei einer Dosissenkung oder im weiteren Verlauf der Therapie.

Wenn Sie mehr wissen möchten …

Wachstumshormon.
Das Königshormon.

Das Wachstumshormon ist ein wichtiger globaler Messenger des Organismus, der das Wachstum, die Zell­erneuerung und Regenera­tion des Körpers reguliert und einen hohen Einfluss auf die Fett­verbrennung hat. Seine Ausschüttung aus der Hirn­anhang­sdrüse unterliegt einem tageszeitlichen Rhythmus und wird durch äußere Faktoren beeinflusst, wie niedrige Blutzuckerspiegel und Schlafmangel.

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